Tierisches Vergnügen im Museum

Rhönschafe und Pommersche Landgänse fühlen sich auf dem Gelände am Gottersdorfer See wohl

Kaum hat Bernhard Schurz das Armenhaus und die Museumsgaststätte passiert und biegt in Richtung Seeufer ein, bricht ein Höllenlärm aus. Max und Moritz schnattern, was das Zeug hält: Jeden Morgen begrüßen die beiden Pommerschen Landgänse so ihren Pfleger. Schnellen Schrittes kommen die beiden Ganter angelaufen und ziehen die volle Aufmerksamkeit auf sich.

Sie wirken aufgeweckt und doch recht friedlich. Meistens. "Die beiden können auch ganz schön biestig werden", weiß Schurz. Allerdings nur, wenn sich die zwölf Jahre alten, gefiederten Herren in ihrem Refugium gestört fühlen und zu aufdringliche Besucher in die Schranken weisen müssen.

Seit genau acht Jahren kümmert sich Bernhard Schurz um das Tierleben im Odenwälder Freilandmuseum. Zwar ist er auf dem Dorf groß geworden, hatte aber bis 2006 kaum etwas mit Landwirtschaft und Tierzucht am Hut. Das änderte sich, als im April jenes Jahres die ersten Rhönschafe ins Freilandmuseum einzogen. Die Idee dazu hatte Forstbetriebsleiter Henner Niemann aus Walldürn, der mit seinem Vorschlag bei Museumsleiter Thomas Naumann auf offene Ohren stieß.

"Wir starteten mit zwei Mutterschafen und zwei Lämmern", erzählt Schurz. Diese stammen aus dem pfälzischen Eulenbis bei Kaiserslautern. Dort führt Professor Jürgen Storrer einen Zuchtbetrieb für Rhönschafe, die lange Zeit vom Aussterben bedroht waren.

2007 holte sich das Freilandmuseum weitere zwei Mutterschafe vom Hof Otmar Dumbacher aus Schneeberg dazu und hatte damit einen soliden Grundstock für die eigene Zucht. "Unsere Herde zählt inzwischen elf Mutterschafe, davon sieben im deckfähigen Alter. Und natürlich die vier Lämmer, die im Februar zur Welt kamen", fügt Schurz hinzu.

"Määäääääääh, määääääh....", tönt es lautstark, als die Schafe ihren Betreuer entdecken. Der hat einen Eimer voller Leckerlis dabei - Pellets aus Rübenschnitzel. So kommt mit dem Kraftfutter neben Gras und Heu etwas Abwechslung in den Speiseplan. Nicht weit vom Quartier der Landgänse entfernt grasen die Rhönschafe auf ihrer eingezäunten Weide. Regelmäßig wird das Terrain gewechselt, um genügend Grünfutter vorzuhalten.
Regelmäßige Streicheleinheiten

"Gelegentlich bekommen die Schafe freien Auslauf auf dem ganzen Museumsgelände", so Bernhard Schurz, dem seine Aufgabe sichtlich Spaß macht. Angst, dass sie weglaufen könnten, hat er nicht. "Sie wissen, dass es ihnen hier gutgeht", ist er sich sicher. Und wenn sie mal aus ihrem Gatter ausbrechen, kommen sie nicht weit, höchstens bis zur nahe gelegenen Landstraße. Spätestens hier hat sie ein aufmerksamer Einwohner bereits entdeckt.

Dreimal täglich schaut der Tierliebhaber nach seinen Schützlingen, die regelmäßig von Tierärztin Vohla untersucht und geimpft werden, damit sie gesund bleiben. Etwas traurig blickt Schurz drein, wenn er an die Fehlgeburt von Zwillingslämmern im Frühjahr denkt. Das Mutterschaf litt sehr darunter, kam aber dank liebevoller Pflege nach vier Tagen wieder auf die Beine. "Seither ist es richtig anhänglich und braucht wie das eine oder andere Schaf seine Streicheleinheiten", sagt der 64-Jährige, der alle Tiere kennt, auch wenn sie keinen Namen tragen.

Eine Kuriosität hat sich unter den diesjährigen Nachwuchs gemischt: Eines der jungen Lämmer hat einen schwarzen Tupfer im sonst ganz weißen Körperfell - und das ausgerechnet noch am Po. "Wir können uns das auch nicht so recht erklären", runzelt Schurz die Stirn. Bekanntlich soll es ja in jeder Familie ein "schwarzes Schaf" geben. In diesem Fall vielleicht ein Gen-Defekt?

Die männlichen Nachkommen werden, sobald sie mit fünf bis sechs Monaten geschlechtsreif sind, verkauft und von der Herde getrennt. So beugt man Inzucht vor. Für die Fortpflanzung kommt jeden Herbst ein Zuchtbock vom Hof Dumbacher ins Freilandmuseum zu den Rhönschafen, die ihr Winterquartier im früheren Schweinestall des museumseigenen Bauernhofes Bär im Zentrum von Gottersdorf haben.

Im Mai sind die Schafschur und Klauenpflege angesagt. Dann muss der Winterpelz runter. Die Wolle geht an die Spinnstube in Höpfingen und an Sabine Hohlfelder, die Museumsbesuchern die Wollverarbeitung demonstrieren.

Besonders gern hat Bernhard Schurz kleine Gäste: Kindergartenkinder, Grundschüler oder auch junge Behinderte. Sie sind so richtig fröhlich, wenn sie die Lämmer knuddeln, kraulen und streicheln dürfen. "Das ist ein schönes Gefühl, die Kinder so glücklich zu sehen. Das bewegt mich immer wieder", betont er mit einem Lächeln.

© Fränkische Nachrichten

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