Vor dem Genuss kam die Arbeit

Das Wetter am vergangenem Sonntag war ideal für einen Familienausflug ins Odenwälder Freilandmuseum nach Gottersdorf. Besucher, Groß und Klein, kamen aus nah und fern in Scharen. So viele Besucher hatte das Museum schon lange nicht mehr erlebt.

Die Dorfgemeinschaft Gottersdorf und die Museumsmitarbeiter hatten an diesem Tag alle Hände voll zu tun. Angesagt war an diesem Sonntag das "Herbstfest" mit den traditionellen Vorführungen von der Kartoffelernte, der Verarbeitung von Äpfeln zu Apfelsaft und Most und der Jägereivorführung mit Jagdhunden.

Wenn Kartoffeln und Äpfel im September reif für die Ernte sind , geerntet und zum weiteren Verzehr verarbeitet werden oder auch in den Geschäften und auf Märkten zum Verkauf angeboten werden, dann steht im Kalender des Freilandmuseums das traditionelle Kartoffel-und Mostfest mit zahlreichen kulinarischen Speiseangeboten auf dem Programm. Und für den reibungsvollen Ablauf des Tages sowie die Zubereitung von Speisen und Getränken sorgte wieder die engagierte Dorfgemeinschaft aus Gottersdorf.

Spielerisch konnten die Kinder die Kartoffeln vom Kartoffelacker auflesen. Auf dem Museumsacker wurde nach alter Tradition dem Besucher demonstriert, wie man vor langer Zeit mühselig Kartoffeln mit Pferd und Pflug, Traktor und Schleuder aus der Erde holte. Mitglieder des bäuerlichen Haushaltes und Tagelöhner wurden zum Kartoffellesen herangezogen. Erst ab Anfang des vergangenen Jahrhunderts erleichterten Maschinen diese Arbeit. Pferde zogen eine drehende Spindel mit langen Zinken über die Dämme. Diese holte die Kartoffel aus der Erde und warf sie zur Seite. Aber sie mussten noch immer von Hand - oft von Kindern - eingesammelt werden. Daher hießen die Herbstferien früher auch Kartoffelferien.

Heute sind in modernen Betrieben nur noch Vollernter im Einsatz. Die Kinder, die am Sonntag in spielerischer Weise auf dem Kartoffelacker die Erdäpfel einsammeln und mitnehmen durften, bekamen einen Einblick davon wie man in früheren Jahren die Knolle in die Säcke bekam. Bevor die Kinder ihre Ernte genießen konnten, durften sie einen weiteren Arbeitsgang durchführen. Die Kartoffelwaschmaschine bedienten die Kinder am großen Rad ebenfalls selbst, um die Knollen zu waschen und anschließend zubereitet zu verzehren. Auch hatten die Kinder ihren Spaß beim Kartoffeldruck und dem Kartoffelgrillen am Lagerfeuer.

Vielzahl von Speisen

In der Dreschhalle neben dem Kartoffelacker boten die Mitglieder der Dorfgemeinschaft Gottersdorf eine Vielzahl von Speisen aus Kartoffeln an. Für die richtige Würze und Zutaten sorgte eine Kräuterfrau, die vor Ort einen Stand mit vielen selbst gesammelten Kräutern aus der Natur anbot.

Das zur Jahreszeit passende Getränk wie Apfelsaft und Most wurde ebenfalls angeboten. Äpfel wurden frisch vor Ort gepresst oder besser gesagt gekeltert. Damals hatten die Bauern Apfelsaft in Fässer abgefüllt und in eigens dafür in geeignete Keller gelagert. Dort hatte man den Saft vergären lassen, bis er zu Most wurde. Allein das Herstellen des Mostes war dem Küfer vorbehalten, so wie in Gottersdorf der alteingesessenen Küferfamilie Link.

Viele Bauern hatten auch im Odenwald Waldbesitz. So war auch wieder die Kreisjägervereinigung Buchen auf dem Museumsgelände anzutreffen. An ihrem Stand zeigten sie dem Besucher Präparate der heimischen Tierwelt. Weiter ergänzten die Jagdhornbläser "Waidmannsheil" des Kreisjagdhornvereins Buchen, die "Parforce-Horn-Bläser" und die "Bläser Schloss Neuburg/Mosbach" das Programm.

Zur Unterhaltung der Kinder gab es eine Strohhüpfburg und gleich hinter dem Museumseingang konnten sich die Kinder im Kartoffeldruck, im Stelzen laufen und mit dem Hula-Hoop-Reifen üben. Nicht fehlen durfte an diesem herbstlichen Sommertag eine Rundfahrt mit dem Traktor und einem Traktorgespann. Ludwig Dörr und Günther Block aus Hornbach boten den Besuchern eine Runde zum Mitfahren um das Odenwälder Freilandmuseum an, was von den Besuchern rege genutzt wurde. hape

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