Nur die Show und Freude im Sinn

In den Dreißigjährigen Krieg wurden die Besucher am vergangenem Wochenende im Freilandmuseum Gottersdorf zurückversetzt. Unter der Regie des militärhistorischen Vereins "Kurbairisches Dragonerregiment Johann Wolf" fand im Museumsdorf ein Musketier-Treffen statt. Dabei waren der "Landsknechtshaufen zu Merchingen", die "Kaiserliche Artillerie Augsburg", "die Cronacher Ausschusscompagnie", die "Fechtgruppe Wien", die "Bergsche Battery", die "Laizer Landsknechte" und die Gruppe "Bellicum Mortanum Landau" sowie die "Corptzschen Kosaken 1628".

Pulverdampf, klirrende Blankwaffen und blitzende Pikenspitzen verbreiteten Schrecken und Angst unter Bauern und Bürgern im Dreißigjährigen Krieg. Die Musketierkameraden, die sich nun trafen, hatten in ihren historischen Kostümen und Waffen nur Show im Sinn - zur Freude der Museumsbesucher.

Insgesamt waren 100 Männer und Frauen im Lager, das mit Zelten und Utensilien aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs ausgestattet war. Zum gemeinsamen Mahl traf man sich am großen Lagerfeuer nur ein paar kurze Schritte von den Schlafzelten entfernt.

Erstmals fand ein so vielfältiges Treffen mit unterschiedlichen historischen Vorführungen im Odenwälder Freilandmuseum statt. Zur Begrüßung ließ Hauptmann Uwe Klotz seine Landsknechte antreten. Im Anschluss wurden die Gäste mit viel Jubel des Volkes und der Landsknechte sowie der Musketiere willkommen geheißen. Unter den Besuchern waren auch Bürgermeister Markus Günther, der Erste Bürgermeister der Stadt Mömlingen, Siegfried Scholtka, und Museumsleiter Dr. Thomas Naumann.

Hauptmann Klotz freute sich, das Treffen im Museumsdorf durchführen zu können, da es dort nicht so viele Auflagen für die Durchführung solch einer Veranstaltung gebe wie andernorts. Man fühle sich sehr Wohl in Gottersdorf. Als Dank für die gute Zusammenarbeit überreichte er den Hausorden des Vereins "Kurbairisches Dragonerregiment Johann Wolf" an Naumann. Grußworte und ein Wort des Dankes ließ sich auch Obrist Walter Schinzel-Lang von der ,,Chronacher Ausschusscompanie" nicht nehmen und überreichte Bierkrüge mit dem Cronacher Wappen an die Ehrengäste.

Diese durften danach je einen Böllerschuss aus der Kanone abfeuern. Damit war das siebte Musketier-Treffen und das erste dieser Art im Odenwälder Freilandmuseum offiziell eröffnet.

Gleich im Anschluss lud Hauptmann Klotz zum festlichen Mahl, während nebenbei das Drillen der Musketiere und Pikentiere, das Schaukampffechten und Artilleriedrillen vorgeführt wurde. Am Nachmittag gab es Gefechtsdarstellungen und Wettkämpfe der Musketiere auf der Wiese neben der Dreschhalle.

Bei dem Treffen erfuhr man auch Geschichtliches zum Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648, einer Zeit, in der Glaubensfragen Europa spalteten. Nach und nach beteiligten sich immer mehr Länder von Schweden bis Spanien an der blutigen Auseinandersetzung, die mit dem Westfälischen Frieden endete.

Dieser Friede brachte die Gleichstellung der beiden Konfessionen und territoriale Verschiebungen. Deutschland erhielt eine neue Struktur, war aber in großen Teilen verwüstet.

Das Kurbairische Dragonerregiment des Johann Wolf hatte gegen Franzosen und Sachsen zu kämpfen Dieses Regiment lag 1640/41 am Untermain. Der Oberst hatte Quartier in Aschaffenburg, seine Kompanien waren von Steinheim bis Lohr aufgeteilt. Wolf, geboren am 17. März 1605 in Ingolstadt und dort auch begraben, fiel am 21. November 1644 beim Sturm auf Bensheim. hape

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