US-Truppen rückten in das Museum ein

Eine besondere Veranstaltung gab es am Wochenende im Freilandmuseum in Gottersdorf für die Besucher zu sehen: "Der erste Sommer im Frieden". Gezeigt wurde im Museumsdorf in Zusammenarbeit und in Kooperation mit dem Studienkreis Militärgeschichte zum ersten Mal in einem deutschen Museum das Thema "Das Kriegsende" in einer Living History-Darstellung. Die einzelnen Szenarien befassten sich mit der Besetzung und der Befreiung des Ortes.

Der Besucher wurde in den Sommer August 1945 zurückversetzt. Er konnte den Einmarsch der amerikanischen Soldaten in Gottersdorf mit erleben. In zeitgerechten Uniformen mit Maschinenpistolen und Militärfahrzeugen ausgerüstet "besetzte" man Gottersdorf. Jeder Zugang zum Dorf wurde von amerikanischen Soldaten besetzt und bewacht. Es durfte ohne einen Passierschein keiner raus und niemand hinein, es wurde streng kontrolliert auch Leibesvisitationen wurden durchgeführt.

Soldaten patrouillierten

Im und um das Dorf patrouillierten amerikanische Soldaten. Auch wurde jedes Haus und jedes Gehöft nach Kriegsverbrechern durchsucht. Gleichzeitig wurde auf Anweisung der Militärregierung durch den Militärgouverneur der alte Bürgermeister abgesetzt und der neue in sein Amt offiziell bestellt. Er nahm die Dienstgeschäfte im vormaligen Armenhaus in Gottersdorf auf. Das Ziel war hier eine neue deutsche, demokratische Verwaltung aufzubauen.

Amerikaner und Deutsche standen sich damals mit gemischten Gefühlen gegenüber. Streng verboten war es auch, Kontakte mit den Einheimischen aufzunehmen. Dennoch sind damals erste soziale Kontakte zwischen den Soldaten und der Bevölkerung aufgekommen. Das ganz Museumsdorf wurde an diesen drei Tagen in eine Freilichtbühne verwandelt.

Die Mitglieder und Darsteller vom Studienkreis Militärgeschichte hatten sämtliche Gegebenheiten im Museumsdorf ausgenützt. So war an der Ziegelhütte eine erste Hilfestation eingerichtet und im Wohngebäude befand sich die amerikanische Kommandantur. Gegenüber in der Stallscheune machte sich der Zimmermann des Ortes nützlich. Gleich neben an im Armenhaus war im Erdgeschoss das Amt des Bürgermeisters untergebracht, darüber in der ersten Etage verrichtete der Dentist seine Arbeit. Im Bauernhaus aus Allfeld und dem Tagelöhnerhaus Oberwittstadt war das amerikanische Lazarett untergebracht.

Alltagsszenen dargestellt

Auf der Wiese daneben ein militärisches Feldlager mit Zelten und einer Feldküche. Auch die landwirtschaftliche Arbeit auf dem Feld im Sommer 1945 wurde von den Darstellern vorgeführt. Selbst das abendliche Dorftreffen nach getaner Arbeit an der Bank unter der Linde vor dem Bauernhof mit integrierter Poststelle wurde szenisch dargestellt.

Gezeigt wurde auch die Szene eines in der Scheune versteckten Munitionsfundes, um diesen gefährlichen Fund musste sich der Militärgouverneur persönlich kümmern. Untergebracht waren die Soldaten in Räumen der Häuser. Hier bauten sie ihre original Feldbetten auf und richteten sich alle häuslich ein. Man lag damals mit mehreren Mann eng zusammen in den Zimmern, denn für damalige Verhältnisse waren die Räume nicht sehr groß.

Besucher hatten Fragen

Die Besucher konnten den Darstellern viele Fragen stellen und sie wussten auf jede gestellte Frage eine Antwort. Jedes Detail aus jener Zeit konnte man in den Häusern und auch draußen auf dem Museumsgelände anfassen und begutachten. Vom großen amerikanischen Militärfahrzeug bis hin zur kleinsten Uhr - alles konnten die Besucher bestaunen. Ja sogar Kisten mit Lebensmitteln in dem entsprechenden Behältnis der damaligen Zeit waren vorhanden. Die Darsteller des Studienkreises kamen aus ganz Deutschland am vergangenem Wochenende nach Gottersdorf, um den ersten Sommer im Frieden zu thematisieren.Von den vielen älteren Besuchern des Freilandmuseums, die sich mit den Darstellern unterhielten, war zu hören, dass man diese schlimmen Zeiten nicht mehr erleben möchte.

Die nächste Veranstaltung im Odenwälder Freilandmuseum ist von Freitag, 13. September bis Sonntag, 15. September, "Living History" mit einem Musketiertreffen-Rendezvous, mit dem bayrischen Dragonerregiment Johann Wolf und dem Lützower Freicorps.

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Fränkische Nachrichten (Hahner-Pestel)

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