Postkutsche von Räubern überfallen

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Das Odenwälder Freilandmuseum in Gottersdorf wurde am Sonntag zu einer Freilichtbühne. Dabei wurde ein authentischer und historischer Raubüberfall auf eine Postkutsche von der "bekannten "Hölzerlipsbande" vom Heimatverein Mudau in Szene gesetzt. Die spektakuläre Aufführung gliederte sich in drei Teile. Die einzelnen Szenen wurden an verschiedenen Orten im Museumsdorf nachgestellt.

Bevor es aber los ging mit der Vorstellung gab es vom Vorsitzenden des Heimatvereins Mudau Hans Slama noch interessante Informationen über die "Hölzerlipsbande", besonders über die Herkunft des Namens "Hölzerlips". Hölzer: handelt mit Holzwaren und Lips ist die Abkürzung für Philipp.

Nach jedem Wechsel und vor beginn der einzelnen Szenen erzählte Hans Slama wie es weiter ging in der Geschichte. In der ersten Szene wurde zunächst die Bande ins Leben gerufen und Hölzerlips als Räuberhauptmann bestimmt. Dann wurde von den Räubern die Lage vor Ort erkundigt.

Danach brachten sie sich in Position und warteten auf die Postkutsche mit ihren Kutschern und mit den Fahrgästen. In diesem Fall war es die Walldürner Postkutsche.

Als die Kutsche ins Sichtfeld der Räuber kam und an der Stelle angekommen war, wo man sie überfallen wollte, kamen die Räuber mit viel Getöse und Geschrei aus ihren Verstecken, zwangen die Kutscher zum Anhalten und die Fahrgäste zum Aussteigen. Diese wurden dann um ihr Hab und Gut gebracht.

So schnell, wie sie gekommen waren, waren sie auch mit der Beute wieder verschwunden. Den Fahrgästen und den Kutschern eilte man nach ihren Rufen zu Hilfe. Bei dem Überfall gab es einen toten Fahrgast.

Nach dem der Großherzogliche Stadtdirektor aus Heidelberg davon erfuhr, nahm er diesen Überfall zum Anlass, eine Kampagne gegen das fahrende Volk im Odenwald zwischen Main und Neckar zu führen. Nach ersten Ermittlungen ermittelte er Hölzerlips als Anführer des Überfalls. Es dauerte auch nicht lange, so hatten die herzoglichen Soldaten die "Hölzerlipsbande" in Gefangenschaft genommen und nach Heidelberg ins dortige Gefängnis gebracht.

Schuldspruch vor Gericht

Bevor es mit der Gerichtsverhandlung und der dritten Szene weiter ging, trug ein Minnesänger das Lied vom "Räubertraum" vor. Schnell kam es zum Gerichtsverfahren, bei dem Hölzerlips als hart, brutal und ungebildet beschrieben wurde. Hölzerlips selber leugnete die Beteiligung oder Führung zahlreicher Überfälle vor Gericht. Nach einem sogenannten Blutgericht, bei dem man Hölzerlips für schuldig erklärte, wurde dieser als "Odenwälder Räuberhauptmann"hingerichtet.

Zum Ende der Aufführung gab es vom Publikum viel Applaus. An diesem Nachmittag gab es auch ein passendes Begleitprogramm. So brachte Geopark Vorortführer Gerhard Friedrich einige Räubergeschichten wie den Räuber Hotzenplotz und die Weihnachtsgeschichte vom Räuber Schinderhannes aus dem Odenwald zu Gehör. Die Kinder konnten an einem Lagerfeuer Stockbrot backen. Und in der historischen Museumsgaststätte gab es Wildschweingulasch.

Die nächste Veranstaltung ist am Sonntag, 21. September. Von 10 bis 18 Uhr findet das traditionelle Kartoffelfest mit Äpfel mosten und einer Jägereivorführung statt. Das Museumsdorf ist mit seiner Museumsgaststube von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. hape

© Fränkische Nachrichten