Spielleute gaben sich ein Stelldichein

"Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammen kamen?" Diese Zeilen aus Schillers, "Die Kraniche des Ibykus" kammen einem unwillkürlich in den Sinn beim "Spielmannstag Winneweh". Spielleute aus den verschiedensten deutschen und ausländischen Regionen mit ihren altehrwürdigen Instrumenten gaben sich im Odenwälder Freilandmuseum in Gottersdorf ein Stelldichein. Sie wurden von begeisterten Musikfreunden ehrerbietig bewundert und bestaunt.

Die wohlige Atmosphäre verbreitenden Lieder und Klänge tönten aus allen Himmelsrichtungen, aus allen Ecken, Nischen und Winkeln des Freilandmuseums in Gottesdorf. Man fühlte sich auf einem musikantischen "Rundwanderweg" bei bestem Sommerwetter auf den Pfaden des Museums in die sprichwörtlich "guten alten Zeiten" versetzt.

Dutzende von Spielmannszügen hielten an diesem Wochenende in dem Walldürner Stadtteil die schon seit längerem gepflegten Jahrestreffen ab und erfreuten die Besucher an zwei Tagen mit traditionellen Volksweisen. Ein Ereignis, das sich weit und breit seinesgleichen sucht.

 

Auch in diesem Jahr waren die Musikanten der "Dudelquetsch-Gruppe" regieführend. Alle Spielleute traten in harmonischen Reigen auf und spielten aus vollem Herzen ohne Honorar. Sogar englische und französische Gruppen fanden sich heuer auf dem Museumsgelände ein und vereinbarten, 2015 wiederzukommen.

Historische Instrumente

Mit den alten Instrumenten und einem Hauch von Romantik vor den historischen Kulissen des Museumsdorfes verzauberten die Musiker die Museumslandschaft in eine idyllisch-träumerische Welt. Den meisten Besuchern waren viele der historischen Instrumente erstmals zu Gesicht und zu Gehör gekommen. Sie schwärmten regelrecht von der vielfältigen Musik und den in historischen Gewändern auftretenden Musikanten im einladenden Ambiente des Freilandmuseums.

Die ständig, aus allen Richtungen und Ecken zu vernehmbaren Klänge und Gesänge luden Jung und Alt dazu ein, den verlockenden Tönen zu folgen. Solisten, Duos, Spielmannsgruppen, alles, was das musikalische Herz begehrte, war zu hören und zu bestaunen.

Gerne gaben die Musikanten Auskunft über die Charakteristika ihrer Instrumente. Die Musikgruppe "Dudelquetsch" trat mehrfach mit vielen Instrumentalisten in der Dreschscheune auf: Akkordeons, verschiedenartige Flöten, Geigen, Saxophone, Gitarren, Harfen, Querflöten, Dudelsäcke, Schalmeien, Drehleier, Krummhörner, Trommeln, eine Schlüsselfidel, eine Tin Whistle, Alpenhörner, Ukulele, eine "French-Pipe" und vieles mehr erklang. Erstaunt war das Publikum darüber, dass im Odenwald gleich drei Alphornnisten aus Biebersheim auftraten, die ihr Publikum einluden, ihre Gesänge gesanglich zu begleiten. Die zahlenmäßig starke Gruppe "Greensleeves" (ein Ensemble für Folk und Alte Musik) wie auch die Spiel- und Singgruppe "Sine Nomine" (von zwei spanischen Flamencotänzerinnen begleitet) fanden besonders großen Zuspruch.

Drehleier und Co

Viele Musikgruppen musizierten mit Instrumenten wie der Drehleier, die schon im hohen Mittelalter bekannt waren. Diese gilt als Vorgängerin der Kirchenorgeln. Zu Unrecht in Verruf gekommen ist sie als "Bettler- und Hureninstrument", wie ein Musikant aufklärte.

Heute kaum mehr bekannt ist die "Zink", aus Holz oder Horn hergestellt, die sich wie eine Trompete spielt und deren Töne schwer zu stabilisieren sind. All diese mittelalterlichen Instrumente erinnerten an fahrende Spielleute, die nach Lust und Laune über Dörfer und Städte vagabundierten. Wie es um den Ruf der Spielleute des Mittelalters bestellt war, charakterisiert ein bekannter sybillinischer Spruch eindrucksvoll: "Herr verschone mich vor Spielleuten, oder lass mich mit ihnen ziehen."

Die "Nyckel Harpa", eine der weltweit 250 Arten der Dudelsäcke, ist eng mit der Drehleier verwandt, die zum Inventar vieler anwesenden Spielgruppen gehörte; sie wird in Skandinavien noch aktuell in Chören gespielt. Ein kleines, aber tonreines französische Instrument, zog genauso das ungeteilte Interesse der Gäste auf sich wie Sänger und Sängerinnen, die neben ihrer Gesangskunst auch mehrere Instrumente beherrschen.

Gemeinsamer Auftritt

Höhepunkt am Samstag war der gemeinsame Auftritt ab 19 Uhr aller Gruppen in der Dreschhalle. Getanzt werden durfte dabei auch.

Etliche Spielleute reisten schon am Donnerstag nach Gottersdorf; die meisten kamen am Samstag an und campierten auf dem weiten Museumsgelände in Zelten oder Wohnwagen, wo sie sich teils auch selbst versorgten. Am Sonntag war dann gleichzeitig der "Tag der Freilichtmusen in Baden-Württemberg". Das gemeinsame Thema in diesem Jahr: "Jung und Alt auf dem Land früher". Aus diesem Anlass war in Gottersdorf um 14 Uhr und nochmals um 16.30 Uhr eine kostenlose Sonderführung angeboten, bei der das Zusammenleben der verschiedenen Generationen anhand von Bewohnergeschichten und Einrichtungen einiger Museumshäuser näher gebracht worden. wb

© Fränkische Nachrichten

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