Die Darre im Museum rauchte wieder

Wie in den vergangenen zwei Jahrzehnten stand auch dieses Jahr im Odenwälder Freilandmuseum wieder das Grünkernfest auf dem Programm. Die Hauptaktration dieses Sonntags war natürlich die Ernte und Weiterverarbeitung des Dinkels zum Grünkern.

 

Das war bis 1960 eine sehr mühevolle und aufwendige Arbeit mit Sichel, Reffe und Darre. Man muss sich das so vorstellen: Damals gingen ganze Familien mit allen Nachbarn und Freunden an einem heißen, trockenen Tag aufs Feld zur Ernte. Und just an diesem Tag müssen die Dinkelkörner einen bestimmten Weichegrad, die sogenannte Milchreife aufweisen, sie dürfen auf keinen Fall hart und ausgereift sein. Es gab immer nur wenige Tage an denen der Grad der Milchreife und das Wetter akzeptabel waren.

Mühevolle Arbeit

Der Dinkel wurde zuerst mühevoll mit der Sichel in kleinen Hämpfele (schlanke Büschel) geschnitten, in der Regel war das Frauenarbeit. Die Hämpfele wurden kreuzweise gelegt und meist von Kindern den Männern an der Reffe gereicht, die sie durch einen auf der Reffe angebrachten Rieseneisenkamm zogen. Die Ähren fielen in den Kasten und das Stroh wurde sorgsam gebündelt. Dann ging es mit den Säcken voller Ähren zur Darre.

Beim Darren bei 120 bis 150 Grad auf einer Pfanne einer speziellen Grünkerndarre erhält der Grünkern durch die Hitzeentwicklung und den Buchenholzrauch seinen spezifischen Geschmack. Anschließend wurde der Grünkern ins Lagerhaus der Gerbmühle gebracht, hier wurde der Spelt weggegerbt und der Grundstoff für Delikatessen wie Grünkernsalat, Grünkernbratwurst, Grünkernbratlinge oder Dinkelbrot.

Die standen auch in diesem Jahr bei Fest auf dem Speiseplan der Museumsgastronomie und in den heimischen Gaststätten.

Schmied bei der Arbeit

Weiter konnten die vielen Besucher im Hof Schüssler das Schmieden eines Eisenrohlings zu einem Kunstwerk durch einen Schmied beobachten und dem Handwerker dabei über die Schultern schauen. Mit dabei waren neben einer Seifenmacherin wieder die Damen des Spinnstubenvereins aus Höpfingen und eine Kräuterfrau, und auch ein Imker durfte nicht fehlen. Die Kinder kamen beim Fest nicht zu kurz. Gleich neben den Eingang hatten sie die Möglichkeit, bunte Bilder zu malen, mit Hilfe eines Erwachsenen Stelzen zu laufen, das Hüpfspiel "Himmel und Hölle" zu spielen oder mit dem Hula Hoop-Reifen zu üben.

Die Spielmannstage "Winneweh" finden am Samstag 2. August, von 12 Uhr bis 22 Uhr mit Abendprogramm und am Sonntag, 3. August von 11 Uhr bis 17 Uhr statt. Geboten wird historische Musik auf allen Höfen und Plätzen des Freilandmuseums. Am Sonntag, 3.August, findet ab 13 Uhr in den sieben Freilandmuseen des Landes, und damit auch in Gottersdorf, ein Thementag zum Thema "Jugend und Alter auf dem Lande" statt. hape

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