Die Pomologen hatten einiges zu tun

Gleich zwei Veranstaltungen gab es am Wochenende im Freilandmuseum: Beim Living History ging es um das Thema Auswanderung. Außerdem standen Äpfel und Birnen im Blickpunkt.

In der offenen Dreschhalle des Museums kamen Freunde von Streuobst auf ihre Kosten: Dort war eine Apfel- und Birnenausstellung zu sehen. Gezeigt wurden die Früchte von rund 200 alten Apfel - und Birnensorten, die früher überall auf den Streuobstwiesen im ländlichen Baden-Württemberg zu finden waren. Heute sind sie oftmals selten geworden und teils sogar in ihrem Bestand gefährdet.

 

Streuobstwiesen sind ein typischer Teil der baden-württembergischen Kulturlandschaft und stellen wichtige Ökosysteme dar, die zum Erhalt der einheimischen Artenvielfalt von Flora und Fauna beitragen.

Am Samstag und am Sonntag gab es die Möglichkeit eigene Äpfel und Birnen von den Experten Hermann Schreiweis (Birnen) und Werner Nußbaum (Äpfel) vom Pomologenverband Baden-Württemberg beziehungsweise Hessen bestimmen zu lassen.

Ein Angebot, das rege genutzt wurde, wie Museumsleiterin Margareta Sauer im Gespräch mit den FN sagte. Zeitweise bildete sich vor dem Tisch der beiden Experten eine lange Schlange. Mancher wusste gar nicht, was da auf seiner Wiese für Obstbäume stehen. Ein Paar berichtete, es habe ein Stück Land mit Bäumen geerbt und war jetzt mit den Äpfeln ins Museum gekommen, um die Sorte bestimmen zu lassen.

Viel Interesse fand auch die Ausstellung. Auf langen Tischen waren die Äpfel und Birnen ausgestellt. Neben bekannteren Sorten waren auch Sorten zu finden, deren Namen man schon lange nicht mehr oder noch nie gehört hatte. „Krügers Dickstiel“, „Fiessers Erstling“ oder „Bismarckapfel“ waren da bei auf dem Tisch der Äpfel zu finden. Bei den Birnen gab es „Wilde Eierbirne“, „Pastorenbirne“ oder „Präsident Heron“ zu sehen.

Früher unverzichtbar
Äpfel und Birnen waren früher unverzichtbare Bestandteile des ländlichen Speisezettels, das wurde am Wochenende wieder. Und mit Blick auf die gezeigte Sorten wurde klar, dass ihre Vielfalt um ein Hundertfaches größer als die wenigen Apfelsorten, die heutzutage angeboten werden.

Sie spiegelten die vielseitige Verwendung: Frühzeitig reife Obstsorten wurden direkt verzehrt, zum Kuchenbacken genutzt oder eingeweckt, späte Apfel- und Birnensorten wurden eingelagert. Sie waren in den kalten Wintermonaten oftmals die einzigen frischen Vitaminlieferanten. Bestimmte Apfel- und Birnensorten wurden zu Apfelsaft, Most oder Schnaps verarbeitet.

Was man aus Äpfeln machen kann, wurde dann vor der Dreschhalle gezeigt: An beiden Ausstellungstagen wurde auf der Wiese vor der Halle das Mosten von Äpfeln vorgeführt.

Historische Kulisse
Das Museum war am Wochenende auch die Kulisse für Living History-Vorführungen zur Geschichte der Auswanderungswellen aus dem Odenwald in die Neue Welt.

Bei der „Multiperiod-Veranstaltung“ wurden verschiedene Facetten der Amerika-Auswanderung der letzten 300 Jahre anhand von vier Stationen beleuchtet. Eine Gruppe Siedler berichtet von den Reiseumständen im 18. Jahrhundert, emigrierte Deutsche erzählten in einem amerikanischen Soldatencamp vom Leben als Deutsche zur Zeit des Sezessionskriegs. Vor dem Haus Backfisch erklärte ein Hausbewohner, warum er doch nicht nach Amerika auswanderte und in der Spritzenhalle des Armenhauses berichteten deutschstämmige GIs vom Leben in Amerika. Und im Bofsheimer Haus wurde der Backofen angeschürt.

Einblick in vergangene Zeiten
Alle Stationen zogen viele Besucher an, die sich von den Akteuren über Leben und Leiden, Arbeiten und Wirken in lange vergangenen Zeiten an vier Zeitinseln informieren ließen.

© Fränkische Nachrichten

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