Zuschauer waren mitten im Geschehen

"Living History" im Freilandmuseum Studienkreis Militärgeschichte stellte Szenen aus dem ersten Sommer im Frieden 1945 dar

Eine interessante Zeitreise unternahmen die Besucher des Freilandmuseums am Wochenende. Bei einer Living History-Vorführung wurden Ereignisse des ersten Sommers im Frieden 1945 dargestellt.

Die Schar der Flüchtlinge ist lang. Geräuschvoll ziehen sie über den Weg, eskortiert von amerikanischen Soldaten. Die übergeben sie an den Bürgermeister, der wiederum die Flüchtlinge registriert und auf die Unterkünfte verteilt. Alltag im Sommer 1945 im Odenwald nach dem Ende des Krieges. Deutschland war geschlagen, die amerikanischen Besatzungstruppen haben die Macht übernommen.

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Das war eine der Szenen, die am Wochenende im Museum nachgestellt wurden. In Kooperation mit dem Freilandmuseum waren zum wiederholten Male Akteure des Studienkreises Militärgeschichte aus Königswinter im Museumsdorf "im Einsatz". Der Studienkreis, kurz SMG, ist eine international agierende Gruppe von Geschichtsfreunden mit Mitgliedern aus dem gesamten Bundesgebiet.

Mehr als "nur" Darstellung

Living-History ist mehr als "nur" Darstellung. Diese Art der Geschichtspräsentation lebt nicht zuletzt auch von der Interaktion zwischen Darstellern und Zuschauern. Gerade bei einem Kapitel der Geschichte, zu dem es noch Zeitzeugen gibt, ergeben sich immer wieder Berührungspunkte. Das wurde auch am Wochenende immer wieder deutlich, wenn sich die Mitglieder des Studienkreises und Beobachter "austauschten".

Durch eine Living History-Präsentation im Freilandmuseum kann Geschichte begreifbar und erlebbar gemacht werden. Die Darsteller bewohnten das Dorf in der Baugruppe Odenwald und gingen typischen Alltagstätigkeiten der damaligen Zeit nach - etwa die Einweisung von Flüchtlingen in einem Dorf.

Ganzheitliche Begegnung

Sämtliche Gegebenheiten des Museums werden dabei genutzt und ihre Ausstattung aus den privaten Sammlungen der SMG-Mitglieder ergänzt, um dem Museumsbesucher eine ganzheitliche Begegnung mit der Geschichte zu ermöglichen. Wert wird auf möglichst große Authentizität gelegt. So sprechen die GI's natürlich amerikanisch, auf der deutschen Seite sind Wörter und Redewendungen zu hören, die man ausgestorben wähnte.

Gespräche mit Darstellern

Auf diese Weise kann der Besucher in die Vergangenheit eintauchen und verstehen, wie sich das Leben damals abgespielt hat. Er konnte mit den Darstellern sprechen, Kleidung, Geräte, Fahrzeuge und andere Ausstattung aus nächster Nähe betrachten und auch anfassen.

Alltag nachgestellt

Die Besucher standen im wahrsten Sinne des Wortes mitten im Geschehen und nahmen die Szenerie mit allen Sinnen wahr. Zu sehen waren verschiedene Szenen wie die Übergabe von Lebensmittelspenden des amerikanischen Volkes an die Dorfbevölkerung, Pass- und Personenkontrollen oder der Alltag von Bevölkerung und amerikanischen Besatzern.

Auch die Spannungen, die entstanden als die ansässige Bevölkerung zusammenrücken und Flüchtlinge und Vertriebene aufnehmen musste, wurden thematisiert oder die Zwangsimpfung der Dorfbewohner durch US-Sanitäter. Alltag und die kleinen und großen Sorgen im Sommer 1945 eben.

© Fränkische Nachrichten

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